"Eos" - ein musikalischer Satz im Spiegel der Presse
Intentionen und Assoziationen, die ein Künstler in sein Werk legt müssen vom Rezipienten keineswegs geteilt werden. Die gilt vor allem für Musik, der wohl abstraktesten aller Künste. Beim individuellen Hören gibt es (auch bei Programmusik) kein Richtig, kein Falsch. Die Hörumstände oder persönliche Verfassung des Hörers prägen die unterschiedliche Wahrnehmung mit. Anhand der verschieden Presse-Rezensionen soll dies hier am Beispiel des Stückes "Eos" verdeutlicht werden:

"Am Anfang ein Staunen: Helle, intensive Töne, mikrofeine Schwankungen. Christoph Hillmann hat mit einem Holzstab an Klangschalen gerieben, und sie singen. Claudia Anthes setzt am Klavier ein, erkundet filigrane Linien, ordnet sie zu Ornamenten. Die spätromanischen Ausmalungen der Soester Hohnekirche haben die Komponistin gefesselt. Der erste Satz ihrer "Hellweg Suite" teilt ihre Beobachtungen und Assoziationen mit. Das zarte Geflecht wird bald von groovenden Patterns unterfüttert, die sich in kraftvolle Impovisationen auflösen. Synkopierende Rhythmen mittelalterlicher Spielleute klingen an. - Elisabeth Elling / Westfälischer Anzeiger Feuilleton

"In 'Eos' begann mit schwebend-fragilem Klang ein neuer Tag, dessen Geschäftigkeit im rhythmischen Mittelteil fast 'arabische' Züge annahm." - re / Hellweger Anzeiger Unna

"Der Auftakt 'Eos' machte mit seinen ungewohnten Klängen neugierig. Tibetische Klangschalen und -stäbe, der warme Klang des Klaviers, der schließlich im Groove des Kontrabasses aufgeht, spiegelten musikalisch die spätromanischen Wandmalereien der Soester Hohnekirche wieder. - Ralf Engel / Iserloner Kreisanzeiger Hemer

"Zu Beginn, im Teil 'Eos', hören wir am Klavier leise Debussy-ähnelnde, spährenartige Klänge, begleitet von zarten elektronisch realisierten, glasharfenartigen Klangbewegungen, durchaus anmutig zu erleben. Kurz darauf gesellten sich der Kontrabass und das Schlagzeug hinzu - die Elektronik setzte aus - und wir erleben etwa 20 Minuten lang ein rhythmisches, koboldähnliches Tanzen, irgendwann dann ein Melodiefragment, entfernt an einen Satz aus Mussorgskis 'Bilder einer Ausstellung' erinnernd, so dass man sich schon fragte, wo der Bezug zur friedlichen Hohnekirche blieb. Die Drachen an der Decke speien ja schließlich Blumen, und kein Feuer." - Gerburg Krapf-Lumpe / Westfalenpost Soest

"Ihre Suite nun scheint wie von einem Zauberstab berührt - magische Momente lösen einander ab. Sanft tönen die Klangschalen in 'Eos', Eulen-Schreie scheinen durch die Kathedralruine zu hallen. Allmählich erst steigern sich die Musiker in einen Drive hinein, der die drohende Gefahr esoterischer Entrückung bannt." - Anke Demirsoy / Süddeutsche Zeitung

"Der erste Satz der Suite, nach der griechischen Göttin der Morgenröte 'Eos' benannt, begann mit leisem Schwingen von Klanschalen und - stäben. Zartes, perlendes Flügelspiel ging über in wuchtige Grooves, als die anderen Musiker einsetzen. Wer schon einmal in einer riesigen Maschinenhallen großer Zechen einen Tag verbracht hat, assoziert hier unwillkürlich den Beginn der Frühschicht. Erste Sonnenstrahlen dringen durch die großen Fenster, die leise Betriebsamkeit geht nach dem Anwerfen der gewaltigen Werkzeugmaschinen in einen Rhythmus über, erzeugt durch die leichte Unwucht der alten Geräte." (Anm.: Aufführungsort war die ehemalige Zeche Radbod.) - W. Lauterbach / Westfälischer Anzeiger Hamm

"Claudia Anthes ließ sich von alten Wandmalereien in der Hohnekirche und von den Kirchenfenstern in St. Patrokli in Soest inspirieren. Es entstanden die Sätze 'Eos' und 'Heliodor'. ... Die Musik beginnt ganz leise. Der Percussionist Christopg Hillmann reibt mit einem Finger an einem kleinen chinesischen Gong. Ein geheimnisvolles Sirren klingt durch den Raum, schwillt an und wird wieder leiser, Klangstäbe werden angeschlagen, Claudia Anthes intoniert am Flügel unruhige Arpeggien, Bruchteile von Melodien, die sie fast unverändert ständig wiederholt. Angelika Niescier unterlegt diese Klänge mit tiefen Tönen der Bassklarinette. Die Musik wird lauter und schneller. Alex Morsey am Kontrabass zupft ein aufgeregtes Solo. Die Bassklarinette röhrt. Holger Naus behämmert virtuos dasSchlagzeug. Die Partitur gibt den einzelnen Musikern viel Freiraum für persönliche Improvisationen. Die Musik wird zu Klanorgie, die ganz langsam wieder verklingt. Zum Schluss sirrt der leise Klang des chinesischen Gongs durch den Raum. - Die Sonne geht auf und wieder unter. Jeder der Sätze besteht aus ähnlich eindrucksvollen Klangmalereien, in die auch verfremdete Geräusche eingeblendet werden." - W. Hellwig / Der Patriot Lippstadt

"Und es begann vielversprechend: Eingemummelt in dicken Winterjacken trotzten die Musiker den frostigen Temperaturen vor Ort, schufen in ihrem Werk 'Eos' mit kreativen Percussion-Klängen, metallenes Reiben. Dann der Einsatz von Klavier, Kontrabass, Saxophon und Schlagzeug. Die träumerischen Töne wichen schnellen, treibenden Rhythmen und einer orientalisch angehauchten Melodie, schwollen an zu einem dichten Klangteppich." - D. Pruys / Ruhrnachrichten Schwerte

"Der Auftakt 'Eos' machte mit seinen ungewohnten Klängen neugierig. Tibetische Klangschalen und -stäbe, der warme Klang des Klaviers, der schließlich im Groove des Kontrabasses aufgeht, spiegelten musikalisch die spätromanischen Wandmalereien der Soester Hohnekirche wieder. - Ralf Engel / Iserloner Kreisanzeiger Hemer