Spuk
(Hellweg Suite - 3.Satz)

 

Bei Schwerte , unweit der Ruhr, hat da, wo jetzt die Wandhofer Heide ist, vor Zeiten ein großes, prächtiges Schloss gestanden, von dessen früherer Geschichte aber nichts mehr bekannt ist. Nur das weiß man noch, dass dessen letzter Besitzer ein Pracht und Üppigkeit sehr liebender Herr gewesen ist, der, um seinen Begierden und Wolllüsten ganz frönen zu können, einen Pakt mit dem Bösen errichtete. Nachdem dieser eine Zeit ihm gedient, sind einstens beide uneins geworden, worauf der Teufel den Ritter hat holen wollen. Weil aber dessen Zeit noch nicht um gewesen, hat der Teufel in dem Augenblicke, als er das Schloss unsichtbar gemacht, um es mitsamt seinen Bewohnern in die Hölle zu stoßen, seine Macht darüber verloren und es nicht bis in die Hölle bringen können. Vielmehr ist es auf seiner alten Stelle geblieben und nur nicht wieder sichtbar geworden. Alle hundert Jahre aber kommt es in der Vollmondnacht zum Vorscheine.
Zuletzt hat es ein angesehener Mann von Westhofen gesehen. Diesen führte vor mehreren Jahren, als er von Schwerte nach Westhofen zurückkehren wollte, sein Weg über die Wandhofer Heide, auf welcher er gegen zwölf Uhr nachts ankam, als gerade der Mond voll wurde.
Auf einmal verschwand der Weg, auf dem er ging, und er sah sich in eine fremde Gegend versetzt, die er noch nie geschauet hatte. Vor sich erblickte er ein großes, schönes, hellerleuchtetes Schloss, aus dem ihm lauter Jubel und die schönste Musik entgegenschallte. Er blieb verwunderteine Zeitlang stehen; als ihm aber die Geschichte des verwünschten Schlosses einfiel, eilte er erschrocken von dannen. Doch den Weg konnte er nicht wieder finden, und wohl zwei Stunden lang lief er voll Angst in der Irre umher, bis er zuletzt von ferne dreschen hörte. Darauf ging er zu und erreichte glücklich das Dorf Wandhofen. Am andern Morgen ging er mit vielen Leuten auf die Heide zurück; aber sie fanden nichts; nur an einer Stelle, die etwas hügelig war, kam ihnen starker Schwefelgeruch entgegen.

Im Schloss Drensteinfurt lebte einst der Schreiber Schenkewald. Dokumente fälschte er nach Gutdünken und viele Leute brachte er um ihr Hab und Gut. So fand er nach seinem Tode im Grab keine Ruhe und musste im Schloss umgehen. Oft trieb er sein Unwesen an seinem früheren Arbeitsplatz, in der Schreiberstube. Schenkewald wühlte in den Papieren herum und brachte alles durcheinander. Erst einem Pastor aus dem nahen Münster gelang es, den Geist in die Davert zu verbannen, wo er seither auf einer Kutsche in wilder Fahrt sein ruheloses Unwesen treibt.

Die Davert, ein geheimnisvolles Heide- , Wald- und Moorgebiet an der Grenze zum Münsterland ist Ort für manch weiteren Spuck; ein realer Hinweiser ist die sogenannte " Teufelseiche" beim Hof Schulze Pellengahr. Hier tummeln sich Wiedergänger und Geister, weil unliebsame Spukgestalten aus den umliegenden Orten gern hierher verbannt wurden - neben Schenkewald etwa die Jungfer Eli.
Treffen kann man auch die Spinnleonore, ein altes Weib, das die Leute zu Lebzeiten mit einer zu kurzen Elle betrogen haben soll. Nun muss sie ununterbrochen haspeln, auf einem Schlagbaum am Hövelsteig. Vorsicht geboten ist beim Ho- Ho- Männ chen! Folgt man seinen " Ho- Ho" - Rufen kommt man vom rechten Weg ab. Der Zwerg, auch Hey- oder Heybroch- männchen genannt, führte viele Wanderer in die Irre. Der Teufel schließlich verteilt, als Kiepenkerl verkleidet, heftige Schläge und wer ihn gar angreift, läuft Gafahr kilometerweit durch die Luft geschleudert zu werden, und sich alle Knochen zu brechen.
Tragisch ist die Gestalt der angeblichen " Wilddiebin" . Das Mädchen hatte ein hilfloses Reh gefunden, es mit nach Hause genommen und dort aufgezogen. Der erzürnte Förster beschuldigte es des Wilddiebstahls und band es auf dem Rücken des Rehs fest. Seither sieht man in den Wäldern gelegentlich ein gespenstisches Reh, auf dessen Rücken die " Wilddiebin" von Venne festgebunden ist.

 

- weitere Sagen im Booklet der CD -